Lackierung

Zum Thema "Lackierung" von Flugzeug-Aluminium habe ich inzwischen viele Gespräche mit Fachleuten geführt. Ich versuche mal, hier die Ergebnisse zu präsentieren.

Lackentfernung

Es kommt darauf an, an welcher Stelle der alte Lack zu entfernen ist und wie groß der Fläche insgesamt ist. Kleinere Flächen ohne Niete und Spalten lassen sich mit sogenannten "Washprimern" einpinseln und der abgelöste Lack kann nach einigen Stunden abgewaschen werden.

Schwieriger wird die Behandlung in den Bereichen, wo Bleche überlappt, z.B. durch Niete zusammengebaut sind. Die verbleibenden Spalten können durch ihr kapillares Verhalten Flüssigkeiten aufnehmen, die sich im Falle von "Washprimern" oder anderen chemischen Substanzen, möglicherweise nicht vollständig entfernen oder neutralisieren lassen und sich später auf das Korrosionsverhalten negativ auswirken.

Kleinere Flächen werden mit metallfreiem Vlies "Scotch Brite" von 3M behandelt. Das gibt es in verschiedenen Rauhigkeiten. Der letzte Schliff sollte mit "A" bzw. "A fein" erfolgen. Diese Rauhigkeit ist auch zum "Anschleifen" vorhandener Lackflächen geeignet.

Strahlen mit Sand oder Glasgranulat ist absolut tabu. Sand und Glasgranulat verhärteten durch den Aufprall und wegen ihrer Härte die Oberfläche des Aluminiums. Es kann dadurch zu Verwerfungen der Metallflächen kommen.

Die beste Methode ist das Strahlen mit Trockeneis. Die einzigen Rückstände sind die abgestrahlte Farbe, das Trockeneis löst sich als Gas auf. Dazu kommt ein komplett ausgerüstetes Fahrzeug zum Einsatzort, das Trockeneis wird mitgebracht.

Die Kosten dieser Arbeit belaufen sich auf ca. 105,- bis 130,- Euro / Stunde. Eventuell kommen noch Anfahrtskosten hinzu.

Vorbereitung des blanken Aluminiums

Zunächst müssen die Flächen mit einem Verdünner absolut fettfrei gemacht werden. Dann erfolgt eine Behandlung mit dem zuvor beschriebenen "Scotch Brite", Rauhigkeitsklasse "A" bzw. "A fein".

Primern

Eine der Möglichkeiten ist das Chromatieren mit "Alodine 1201". Dies wird mit einem Pinsel auf die Fläche aufgetragen und nach einer Einwirkzeit von 3 bis 5 Minuten mit klarem Wasser abgewaschen. Die Fläche bekommt eine goldfarbenen Schutzschicht.

Eine weitere Möglichkeit ist die Verwendung eines 2K Epoxyprimers, der auf das blanke Aluminium aufgepritzt wird. Das ist z.B. der Aviox-Primer 37098 von AkzoNobel oder der Epoxy-Primer 37035A von der gleichen Firma. Der Primer 37035A wird unter anderem von Airbus-Industries, aber auch anderen Luftfahrtgesellschaften verwendet.

Zu beachten ist, dass mit "Alodine" vorbehandelte Flächen unmittelbar danach mit dem Epoxy-Primer gespritzt werden müssen. Zum direkten Auftrag auf blankes Aluminium hat die Entfettung und Reinigung mit Solvent Cleaner C28/5 zu erfolgen.

Eine weitere Lackierung kann bereits nach 4...5h durchgeführt werden. Auf keinen Fall darf die Anschlusslackierung später als nach 72h erfolgen. In einem solchen Fall ist die vorhandene Schicht erneut anzuschleifen.

Leider werden die vorgenannten Produkte nur in größeren Gebinden abgegeben. Die Beschaffung kleinerer Mengen gestaltet sich schwierig. Die Rhoba-Chemie in Bielefeld hat es in 5kg Gebinden vorrätig. Der  Preis / kg liegt um 30,- Euro.

Wer in USA bestellt, bekommt zwar die kleineren Mengen, auch zu günstigen Preisen, aber es kommen atemberaubende Versandkosten drauf.

Ein weiterer, auch in Deutschland zu bekommender Primer ist der " Tempo Aviation Primer", den es z.B. bei Röder in Egelsbach unter Bestellnummer A-802 grün, als Spraydose gibt. Dieser eignet sich für kleinere Stellen und Reparaturen.

Grundieren / lackieren

Die Lackierung sollte bei vorangegangener Behandlung mit 2K Epoxy-Primer, ebenfalls mit einem 2K-Epoxylack erfolgen. Als besonders hochwertig gilt der Lack von Mankiewicz in Hamburg, der unter anderem große Mengen an die Lufthansa liefert.

Ein speziell abgestimmter 2K-Epoxy Lack ist z.B. Seevenax 40622.

Innen-Konservierung

Zum Schutz vor Korrosion in Tragflächen, dem Rumpf und anderen Teilen ist eine Behandlung mit ACF50 sinnvoll. Es wird aufgesprüht und dringt in kleinste Öffnungen, z.B. zwischen Metallverbindungen, Nieten und Haarrissen ein und bildet mit der Feuchtigkeit und dem korrodierten Material eine Emulsion.

Die Emulsion wird an die Außenseite befördert und verdunstet. Der von Korrosion befreite Bereich wird durch eine Schutzschicht  vor erneutem Korrosionsbefall geschützt.

ACF 50 wurde speziell für Luftfahrzeuge entwickelt,

Für ein einmotoriges Flugzeug benötigen Sie ca. 1 – 1½ l,

ACF 50 ist nicht giftig und schädigt nichtmetallische Teile wie Kabel oder Kunststoffe nicht.
http://www.corrosion-block.de/acf-50.htm