Hydraulische Bremsen

Cleveland-Bremszangen mit Bremsscheiben

 bremse cleveland nah IMG 42

Die Bremszange ist so montiert und aufgebaut, dass sie sich immer an der Bremsscheibe zentriert. Sie besteht aus einem Aluminiumgehäuse mit Bohrung und einem darin gelagerten Bremskolben, ebenfalls aus Aluminium. Am Umfang des Kolbens ist in einer Nut ein O-Ring untergebracht, der verhindert, dass Bremsflüssigkeit austritt.

Wird das Bremspedal getreten, so wird Druck aufgebaut und der Kolben schiebt vor. Er drückt mit seiner stirnseitigen Fläche gegen die bewegliche Bremslasche, auf der zur Bremsscheibe hin der Bremsbelag aufgenietet ist.

Wird das Bremspedal losgelassen, so zieht sich der Bremskolben wieder geringfügig zurück und gibt die Bremse frei. Die Rückzugskraft entsteht aus der Verformung des O-Ringes während des Bremsvorschubes. Schema der Bremsanlage

Ausbau des Bremskolbens

Dazu wird die Bremse abgebaut und die Einheiten mit den Bremsbelägen abgenommen. Nun wickelt man die Bremszange in einen Putzlappen und geht mit Druckluft auf den Anschluss für den Bremsschlauch. Bitte nur zaghafte Druckstöße, Verletzungsgefahr!

Hydraulik-Flüssigkeiten

Unsere PKW und LKW verwenden fast ausschließlich DOT -Bremsflüssigkeit der Typen DOT 3,4 oder 5. Der Unterschied liegt in der Siedetemperatur von 170 bis 230C. Bei Kraftfahrzeugen ist das von Bedeutung, da es mitunter lange Bremsvorgänge, z.B. bei Talfahrten gibt und sich die Bremsen entsprechend erwärmen. Bei unseren Morane- Flugzeugen ist dies nur von geringer Bedeutung.

Da gibt es 2 Varianten. Zum einen die Verwendung von DOT4, wie üblicherweise in allen KFZ- Bremsanlagen. Zum anderen die Verwendung von Hydrauliköl, z.B. AEROSHELL 4 oder 41.

Während Hydrauliköl kein Wasser aufnimmt, zieht DOT4 Feuchte aus der Luft an und reichert die Bremsflüssigkeit damit an, die Verdampfungstemperatur sinkt. DOT ist sehr aggressiv und wird noch aggressiver, je mehr Wasser es aufgenommen hat. Wenn es mit dem Lack in Berührung kommt, ist der Lack hin.  Es kann zu Korrosion in der Bremsanlage kommen. Um das zu verhindern oder zu reduzieren, sollte man ca. alle 2 Jahre die Bremsflüssigkeit DOT4 ablassen und frische auffüllen.

Korrosion im Bremszangen - Gehäuse

Die O-Ringe sind je nach Type der Bremsflüssigkeit von unterschiedlicher Qualität und speziell für die entsprechende Bremsflüssigkeit zugelassen.

Wichtig ist ferner, dass die Hauptbremszylinder auch wirklich für die verwendete Flüssigkeit geeignet ist. Dazu gibt es das Schriftstück Nr.126 von SOCATA. (Juli 1976)

Danach dürften die Morane- Flugzeuge mit Leichtzellen bis zur Serien- Nr. 2772 und die schwereren Zellen bis Nr. 12772  im Auslieferungszustand zunächst alle die Hydraulikflüssigkeit Lockheed HD-12 enthalten. Wegen günstigerer internationaler Beschaffung wurde dann auf AEROSHELL FLUID 4 umgestellt.   Es gibt auch noch das FLUID 41 , das bezüglich seiner Eigenschaften dem FLUID 4 entspricht, nur noch reiner ist. 

Es gibt aber wohl auch Morane- Flugzeuge, die DOT  verwenden. Welche und warum, ist mir nicht bekannt.

 

Haupbremszylinder

Diese stammen in der Regel von SATMO  Frankreich und sind mit 2 großen Muttern an den Pedalen der Seitenruder angeschraubt. Wird das Bremspedal getreten, so drückt von unten ein kleiner Stift in dem Hauptbremszylinder auf den Kolben. Dieser baut dann den Druck für den Bremsvorgang auf.

Der Hauptbremszylinder, Einstellschrauben, Farbmarkierungen.

Wichtig ist, dass der Hauptbremszylinder an seinen Befestigungsmuttern so eingestellt ist, dass im entlasteten Zustand der Bremse immer ein Spiel zwischen dem Druckstift und dem Kolben im Zylinder vorhanden ist. So wird schergestellt, dass der Kolben im entlasteten Zustand auch wirklich in seine Ausgangsstellung zurück geht.  Nur dann ist der Weg zum Ausgleichsbehälter der Bremsanlage offen und kann die überschüssige Bremsflüssigkeit wieder in den Ausgleichsbehälter zurückströmen.

Mitunter soll es auch auf den Hauptbremszylindern rote oder grüne Farbpunkte geben (siehe Foto). Grüne Punkte  sollen angeblich AEROSHELL Fluid 4 und rote Punkte AEROSHELL Fluid 41 bedeuten.

 

Bremse löst nicht vollständig.

Man merkt dies in der Regel erst dann, wenn sich das Flugzeug schwer schieben oder ziehen lässt, oder im aufgebockten Zustand, wenn man die Räder dreht. Oft wird dann die Ursache an der Bremszange vermutet, was aber selten der Fall ist. Was ist zu prüfen oder zu tun?

Man hebt das Flugzeug an um das Rad frei drehen zu können. Dann steckt man auf den zugehörigen Entlüftungsnippel, der sich zwischen Armaturenbrett und Brandschott befindet, eine passenden Schlauch auf und öffnet das Ventil. Es kommt entweder gar nichts oder nur ganz wenig Flüssigkeit heraus. Lässt sich das Rad nun frei drehen, so liegt der Fehler weder in der Bremszange noch in der Leitung vom Entlüftungsventil bis zu den Rädern.

Jetzt wird am Bremspedal das Spiel überprüft. Man muss das Pedal ca. 1,5...2 cm drücken können, ohne das ein Widerstand zu spüren ist. Ist dieses Spiel nicht vorhanden, werden die Muttern des Hauptbremszylinders gelöst und der Zylinder entsprechen weit nach oben verschoben bis das Spiel vorhanden ist. Nun wird wieder mehrfach gebremst und der freie Lauf der Räder kontrolliert. Lassen sie sich immer noch nicht frei drehen, so gibt es nun 2 weitere mögliche Ursachen.

  • entweder geht der Kolben des Hauptbremszylinders nach dem Loslassen der Bremse nicht ganz in seine Ausgangsstellung zurück und er möglicht keinen Durchfluss zum Ausgleichsbehälter
  • oder der Schlauch zwischen Hauptbremszylinder und der Entlüftungseinheit, Nähe Brandschott, ist im Laufe der Jahre zugequollen. ( Man glaubt es nicht, aber es ist so )

Der vom Bremszylinder nach oben abgehende Schlauch war zugequollen, war also dicht.

Ist der Schlauch frei ( lösen und durchpusten ) so liegt es nur noch am Hauptbremszylinder, dessen Kolben nicht ganz in seine Ausgangslage zurückgeht und den Weg zum Ausgleichsbehälter versperrt.

Man baut ihn dann aus, stellt ihn so auf, dass die untere Öffnung, da wo der Bremspedalstößel hineingeht, nach oben zeigt, füllt WD40 ein und versucht den Kolben mit einem Stift drückend hin und her zu bewegen. Oft erscheint dann eine braune "Brühe", das ist dann gelöster Rost, der sich im Laufe der Jahre an den Gleitflächen gebildet hat. Dieser Vorgang wird solange wiederholt , bis kein Rost mehr erscheint. Jetzt wird in die stirnseitige Öffnung des Zylinders, da wo vorher der Schlauch abging, hineingeblasen. Es muss der Weg über den Anschluss zum Ausgleichsbehälter frei sein. Sonst weiter bewegen und erneut versuchen.

Der Hauptbremszylinder lässt sich nicht öffnen, er ist leider so gebaut.

Entlüftung und Füllen der Bremsanlage.

Dies erfolgt je Radseite in jeweils zwei Vorgängen:

  • Auffüllen der Bremsflüssigkeit mit leichtem Druck über den unteren Nippel der Bremszange, bis sie blasenfrei am Entlüftungsventil hinter dem Brandschott austritt
  • Ansaugen von Bremsflüssigkeit durch Betätigen der Bremse über den Hauptbremszylinder und Hochdrücken der Flüssigkeit, bis sie am Entlüftungsventil blasenfrei herauskommt.