Verbogene Schwingen und die schwerwiegenden Folgen

Die ganze Geschichte begann eigentlich schon vor 17 Jahren als ich meine MS 885 erwarb. Das Flugzeug  machte damals einen zumindest äußerlich einen recht guten Eindruck, und der Motor war auch neu überholt.

Was mir vom Anfang an auffiel war, dass sich die Maschine am Boden schwerer bewegen lässt ,besonders beim Rückwärtschieben. Mein erster Tipp war natürlich diese typische Moranekrankheit „ verbogene Schwinge“. Nachdem ich  aber im laufe der Zeit immer wieder die Schwingen gewechselt habe, führte dies zu keinem positiven Ergebnis. Genau das Gegenteil war eingetreten. Trotz nagelneuer Schwingen  lies sich die Morane immer schwerer schieben, und man konnte beobachten das sich das linke Hauptfahrwerksrad beim zurückschieben nach außen drehte. Dabei wird natürlich auch durch dieses Drehmoment des falsch laufenden Rades ,das Hauptfahrwerk der anderen Seite ebenfalls nach  außen gedreht.

Nach mehreren Messungen und  Fragerei in einschlägigen Kreisen  entschloss ich mich die Hauptfahrwerksträger zu wechseln. Um diese zu wechseln ist es von Vorteil die Landeklappen zu demontieren .Als ich an der linken Seite diese entfernt hatte ,und mich aufmachte die 5 Stück Schrauben des Hauptfahrwerksträgers zu lösen , ist mir die Ursache des Schadens augenmerklich ins Gesicht gesprungen.

Abb.1  Befestigung des Hauptfahrwerksträgers. Links und rechts die Rippen.


Zu meinem Entsetzen musste ich feststellen das die Tragflächenrippen, an denen, der Hauptfahrwerksträger quer verschraubt ist, verbogen sind. Die äußere Rippe hat eine Falte, also gestaucht, und die innere hat an der Vernietung keinen rechten Winkel mehr, also gezogen. Nachdem ich mal so richtig tief Luft geholt habe, trat ich an die Ursachenforschung.

Abb.2 Die verformte linke Rippe im Detail.


 

Abb.3 Die verformte rechte Rippe im Detail

Es war von außen her kein Schaden zu erkennen .Eine harte Landung ist auszuschließen, da sonst keinerlei Schäden zu erkennen waren. Alle Schrauben und Befestigungslöcher wurden auf Korrosion untersucht, und brachten kein Ergebnis. Um den Schaden zu beheben muss natürlich die linke Tragfläche demontiert werden. Aber wie ist der Schaden entstanden? Diese Frage war dann sehr schnell beantwortet  als ich dann  meinem Ersatzteilträger begutachtete. Als ich selbigen demontierte fiel mir auf ,dass diese Morane sich mit ganz geringem Kraftaufwand schieben ließ. (Rückwärts sowie vorwärts). Genau  an der Stelle wo sich diese Verrippung verbogen hatte , sind an dieser Stelle zusätzlich werkseitig Bleche an den Rippen aufgenietet.


Abb.4  Verstärkte linke Rippe


 

Abb.5 Verstärkte rechte Rippe

Diese Tragflächen meines  Ersatzteilträgers sind vom Baujahr 1987, lt Nummer.  Meine Überlegung war natürlich die ,warum wird hier werkseitig stillschweigend eine Versteifung aufgenietet, also muss natürlich vorher dieser Schwachpunkt  bekannt gewesen sein. Selbst alte Moraneschrauber haben so einen Schaden nie gesehen , und wissen auch nicht, ab welchem Baujahr die Tragflächen an dieser Stelle verstärkt wurden.

Das Rippenblech an dieser Stelle ist nur 1mm Stark, während die angenieteten Bleche links und rechts 2mm betragen.( Fotos)

Mein Tipp: Bei Modellen bis Baujahr 1970 bei ausgefahrener Landeklappe diese Rippen wo das Fahrwerksrohr quer verschraubt ist, eine Sichtkontrolle durchzuführen.

Viele Grüße und frohe Weihnachten.

-Gerhard-

2011-12-24