Entfeuchter für Triebwerk im Winter

Trockner für das Triebwerkinnere

Der größte Feind unserer Triebwerke ist die stets im Kurbelgehäuse vorhandene Feuchte. Wenn sich das Triebwerk nach dem Flug abkühlt, zieht sich die Luft im Kurbelgehäuse zusammen und saugt über die Kurbelgehäuseentlüftung frische Außenluft an. Sinkt die Umgebungstemperatur, so kühlt sich auch die Luft im Innern des Motors ab. Dabei nimmt die relative Luftfeuchte zu und es kann Kondenswasser entstehen. Dies lagert sich dann an allen Teilen im Triebwerk ab und kann an Stahlbauteilen, wie Kurbelwelle, Nockenwelle, Zylinderflächen zu Rostbildung und Korrosion führen.

Triebwerk-Hersteller empfehlen deshalb, entweder jede Woche mindestens 1h zu fliegen oder aber das Triebwerk entsprechend zu konservieren. Selbst ohne Betrieb wird nach entsprechender Zeit sogar ein Ölwechsel gefordert. Monatelanger Stillstand ohne Maßnahmen führt unweigerlich zu Schäden.

Unsere Autos laufen jeden Tag und kommen bauartbedingt nach  kürzester Zeit auf Betriebstemperatur. Bei unseren Flugzeugtriebwerken ist das nicht der Fall. Die stehen oft mehrere Wochen, ja manchmal monatelang, unbenutzt in der Halle.

Ein amerikanischer Hersteller von Vorwärmbauteilen bietet inzwischen einen Entfeuchter für Flugzeug- Triebwerke an. Kosten: ca. 700 US$ . Bis der in Deutschland steht, kostet er auch Euro 700,- .Ich habe mir dazu mal Gedanken  gemacht und den nachfolgenden Trockner selbst gebaut. Kosten: rund 80,- Euro und etwas Freizeit.

Eine längliche Kiste aus beschichteten Spanplatten. An einer Stirnseite ein 3/4" Schlauchstutzen über den die Luft hineinkommt, an der gegenüberliegenden Stirnseite ein kleiner Radialventilator, dessen Luftstrom seitlich über einen weiteren Schlauchstutzen wieder hinausgeführt wird. An beiden Schlauchnippeln sind klare PVC-Schläuche angeschlossen, von denen einer in den Öleinfüllstutzen führt und der andere am  Rohr der Kurbelgehäuseentlüftung aufgesteckt wird. So wird die Luft durch das Kurbelgehäuse hindurch gespült. Dabei nimmt sie Feuchtigkeit auf.  In der Mitte der Kiste befindet sich eine einsteckbare, luftdurchlässige Kassette, die mit ca. 2kg Silicagel gefüllt. Die Luft muss von der einen zur anderen Seite durch diese Kassette hindurch. Silicagel ist ein bernsteinfarbiges, erbsengroßes, ungefährliches,  kugelförmiges Granulat, das in erheblichem Maße Wasser in sich binden kann. Nach einer gewissen Sättigung, schlägt die Farbe nach dunkelgrün um.

Von oben her ist das Ganze mit einer Glasscheibe abgedeckt, die auf einer Dichtung liegt. In beiden Kammern liegen Hygrometer, die die jeweilige relative Luftfeuchte vor und nach der Kassette anzeigen.

Etwa 10 Minuten nach Inbetriebnahme zeigte das eingangseitiges Hygrometer ca. 50% relative Feuchte und das hinter der Trockenpatrone liegende Hygrometer ca. 30%. Ein deutliches Anzeichen, das Feuchte in der Trockenpatrone absorbiert wurde. Über eine Schaltuhr wurde die Anlage im 1/2h Rhythmus, täglich für 2h in Betrieb gesetzt. nach 3 Tagen habe ich die Trocknungs - Kassette herausgenommen und mit einer Feinwaage gewogen. Gegenüber dem Einbauzeitpunkt  ergab sich eine Differenz im Gewicht von 70g. Es wurden also in den 6h Betriebszeit ca. 70cm³ Wasser aus dem Kurbelgehäuse abgeführt.

Besonders effizient arbeitet der Trockner, wenn er unmittelbar nach einem Flug angeschlossen wird. Dann ist in der warmen Luft deutlich mehr Wasser gebunden als in der abgekühlten Luft. Da zeigte das Hygrometer auf der Eingangseite heute am 28.02.2008 sogar 78% relative Feuchte an.

Wie brisant das Thema Kondensatbildung ist, zeigt der nachfolgende Link. Bitte in einem separaten Browser-Fenster öffnen.

http://www.kunz-beratungen.ch/documents/pdf/h-x-Diagramm.pdf

Die horizontalen Linien sind die Lufttemperaturen, die nach rechts gebogenen stellen die relative Luftfeuchtigkeit dar. Die vertikalen Linien zeigen an, wie viel Gramm Wasser in einem kg Luft je nach Zustand enthalten sind. Jetzt geht es los mit einem Beispiel::

Das Flugzeug wird mit nur 50% relativer Luftfeuchte im Innern des Triebwerkes und bei bei 25°C Umgebungstemperatur abgestellt. Bitte den Schnittpunkt der Linien suchen. Von hier aus nach unten gehen, bis an den blauen Bereich. (Dort liegt die 100% Linie = Kondensation). Nach links gehen und die Temperatur ablesen. Ergebnis = 14°C. Wenn sich also die Temperatur der Halle, in der das Flugzeug steht, auf 14°C abkühlt und das Triebwerk ebenfalls, dann tritt im Innern bereits Kondensation des in der Luft enthaltenen Wassers ein und die "Tropfsteinhöhle" ist perfekt. Dabei sind die angenommenen 50% relative Luftfeuchtigkeit sogar no ausgesprochen gering.

Daher die Empfehlung:  Fliegen, Fliegen, Fliegen ! Oder trocknen oder konservieren.

 

Der angeschlossene Entfeuchter in Betrieb


 

Das Trocknergehäuse mit Vertilator und Schienen für die Trocknerpatrone.


 

Die Trockner-Patrone, gefüllt mit Silicagel


Trocknergehäuse mit Glasabdeckung und 2 Hygrometern


Der kleine Radialventilator für 12V Gleichstrom