Bugradflattern bei MS 880B

Verfasser:
Rainer Trillmich
Zeit:
19.09.2007 20:00:18
Hallo Moranefreunde,

wir beobachten bei unserer 880B in letzter Zeit öfter ein unangenehmes Bugradflattern beim Aufsetzen. Es passiert selten, meistens auf Hartbahnen, aber unabhängig von der "Qualität" der Landung, also auch bei ganz sauberem Aufsetzen mit dem Hauptfahrwerk und späteren Aufsetzen des Bugrades. Z.T. hat sich sogar die Reifenmarkierung dadurch etwas verschoben.
Gibt es eine klare Ursache? Sind da Teile verschlissen?
Danke für Hinweise!

Verfasser:
stephan
Zeit:
20.09.2007 07:17:38
klar ... der dampfer vorn ist zu lasch !

entweder den druck mal prüfen ... oder überholen !

dann ist s weg !

ein einfacher test ist ...vorn packen ... in den dämpfer reindrücken und schaun ob sie sich zügig wieder in die "voll ausgefedert" position begibt ...

wenn nicht dann stimmt meine theorie !

grüssle stephan

Verfasser:
Rainer Trillmich
Zeit:
22.09.2007 19:32:20
Danke für den Hinweis, aber meine 880er hat nichts, wo man Druck einstellen könnte. Das Bugrad rastet in der Mitte hörbar ein. Nach rechts und links muß man etwas Widerstand überwinden. Das scheint alles nur auf Reibung und Federkraft zu beruhen.
Verfasser:
stephan
Zeit:
23.09.2007 20:06:58
s geht nicht um s drehen !! sondern um den dämpfer !

am prop schnappen und einfedern !! und einstellen kann man den dämpfer auch nicht !

sondern solang er trocken ist und kein öl ausgesabbelt ist kann man ihn mit stickstoff am ventil wieder neue lebensgeister einhauchen ...aber da sollte man jemanden dranlassen der von dämpfern was versteht !!


grüssle stephan

Verfasser:
Frank
Zeit:
30.09.2007 23:41:34
Hallo Leute. Hatte mal was im Internet gefunden über das Rallye Bugradflattern. Hier lag das Problem darin das mal Teile vergessen worden sind. Das wird hier wohl nicht der Fall sein aber das ganze mal durchlesen kann nie schaden. http://www.aviline.com/rallye/shimmy/
Verfasser:
Rainer Trillmich
Zeit:
03.10.2007 08:40:01
Hallo, danke für alle Hinweise, wir werden das Bugrad im Winter demontieren und alles genau untersuchen.
Verfasser:
radtke
Zeit:
03.10.2007 14:23:05
Hallo Rainer

Der zuletzt angegebene Link trifft nicht für eine MS880 zu. Die MS880 hat eine Scheibe, die auf der vertikalen Drehachse des Bugrades befestigt ist. Sie hat frontseitig eine v-förmige Kerbe mit leicht abgerundeten Ecken zum Umfang hin. Da hinein geht von vorn ein v-förmig spitzer Bolzen, der über eine Feder gespannt ist. Wird das Bugrad aus der Spur nach links oder rechts bewegt, so drückt die Scheibe den Bolzen gegen die Federkraft aus der Kerbe heraus auf den Umfang der Scheibe. Die ganze Einheit dient zur Spurhaltung.

Ich hatte mal bei meiner ähnliche Erscheinungen mit dem Flattern und zwar um so mehr, je schneller oberhalb 60kt gerollt wurde und je mehr ich in die Bremsen trat, wodurch die Bugradfederung stärker eingedrückt wurde.

Dann habe ich mal den Reifen gewechselt und seit dem hat nichts mehr geflattert.

Ich würde mal Herrn Sattler vom LTB Arnsberg befragen. Der hat wiklich Ahnung von Morane-Flugzeugen.

Gruß Udo

Verfasser:
Udo S
Zeit:
05.10.2007 11:19:12
apropos Reifen wechseln:

durch korrekten Luftdruck und Bugradbenutzung nur unterhalb 90-100 km/h ist mein Bugradflattern weg

Verfasser:
Rainer Trillmich
Zeit:
27.11.2007 22:53:32
Hallo,

habe erfahren, es soll zu diesem Thema ein Service Bulletin SB 152-32 von Socata geben. Hat das jemand von Euch? Danke!

Verfasser:
Dietmar Wagner
Zeit:
04.12.2007 22:43:12
Hallo Rainer!

Das SB 152-32 ist eine Ernst zu nehmende Sache, und die Beachtung ist vom LBA per LTA 95-133 verfügt worden (müßte also bei jeder Jahresnachprüfung überprüft werden).
Zum Inhalt: Es geht darum, daß "nach jeder harten Landung oder beim Auftreten von Flattererscheinungen am Bugfahrwerk beim Rollen" (Originaltext der LTA) an den beiden Befestigungswinkeln der unteren Bugfahrwerksstreben am Brandspant eine Rißprüfung durchzuführen ist.
Auf einem Nachbarflugplatz von uns haben wir dabei tatsächlich mal einen mehr als zur Hälfte durchgerissenen Winkel gefunden.

Zum Bugradflattern an sich: Hier gibt es verschiedene Ursachen. Übrigens tritt Bugradflattern am häufigsten auf einer nassen Asphaltbahn mit Seitenwind auf.

+ Als erstes Mal prüfen, wie alt der Reifen selber ist, ob der Gummi spöde geworden ist oder ob, z.B. durch runtergetropftes Benzin oder Öl, Unrundheiten oder Beulen festzustellen sind oder ob er sich einfach nur ungleichmäßig abgenutzt hat. Den Reifen dann erneuern.

+ Flatterdämpfer überprüfen: Hier gibt es zwei Ausführungen. Ursprünglich gab es nur den, wie schon in einem Beitrag weiter oben beschrieben, der federbelastet die Spur halten sollte. Später gab es dann zum Nachrüsten (Kit 68) einen echten Dämpfer, bei dem zusätzlich zum Zentrierstift zwei gegeneinander arbeitende Bolzen über eine Hydraulikflüssigkeit und Kapilarröhrchen verbunden eine echte Dämpfung der Flatterneigung bewirken. Falls dieser Dämpfer eingerüstet ist, prüfen, ob noch Hydraulikflüssigkeit (sind nur ein paar Fingerhütchen voll) drin ist. Ggf. randvoll nachfüllen, z.B. mit handelsüblichem ATF-Öl für KFZ-Automatikgetriebe. Wenn das Öl nach kurzer Zeit wieder austritt, sind die beiden O-Ringe an den Bolzen verschlissen. Diese können bei Socata-Dtl. in Burbach bezogen werden (kosten nicht viel).

+ Flugzeug hinten runterdrücken und kontrollieren, ob das Bugrad seitlich Spiel hat (im Bereich der Welle, um die das Bugrad nach hinten einfedert). Ist dies der Fall, kann man versuchen dieses Spiel zu verringern, in dem die Kronenmutter etwas nachgezogen wird (aber ohne Gewalt! und hinterher wieder sichern). Genügt das Nachziehen nicht können evtl. Passscheiben helfen oder wenn es ganz schlimm ist müssen die Büchsen erneuert werden.

Falls das alles nicht hilft, den Luftdruck im Bugradreifen auf ca. 0,2-0,3 bar über dem Sollwert erhöhen - Deine Aussage, daß die Rutschmarke sich auch verschoben hat, deutet sowieso auf einen zu niedrigen Luftdruck hin.

Zu guter letzt noch ein allgemeiner Hinweis zum Landen: Aufsetzen nur auf dem Hauptfahrwerk und das Bugrad mit bis zum Anschlag gezogenem Höhensteuer (natürlich ohne daß der Spron schleift) so lange wie möglich in der Luft halten und auch erst dann bremsen, wenn es von alleine runtergefallen ist. Wenn die Landeklappen unmittelbar nach dem Aufsetzen mit dem Hauptfahrwerk ganz eingefahren werden, kann man das Bugrad wesentlich länger oben halten. Je nach Schwerpunktlage fällt das Bugrad dann zwischen 40 und 70 km/h (nicht kt) runtern.
Beim Startlauf sollt es spätestens bei 50 km/h in der Luft sein!

Viele Grüße
Dietmar.

Verfasser:
Rainer Trillmich
Zeit:
06.12.2007 20:58:26
Hallo Dietmar,

danke für die Tipps, wir werden das in der Winterpause alles mal prüfen. Einen Hydraulikdämpfer hat unsere Morane definitiv nicht.
Das Flattern tritt nur selten auf, aber merkwürdigerweise (natürlich nur auf Asphalt) auch bei perfekten Landungen (nur mit dem Hauptfahrwerk, Knüppel am Bauch).
Der Luftdruck im Bugreifen ist generell etwas höher als empfohlen, aber der Reifen ist m.W. schon recht alt. Die Rutschmarke hatte sich nur beim ersten Auftreten vor ca. 2 Jahren verschoben, bei den nächsten Malen nicht mehr.

Verfasser:
Detlev Kellinghusen
Zeit:
26.12.2007 19:49:10
Der Bugradreifen hat von sich aus eine runde Form das stabilisiert bei einem Schleppbugrad automatisch den geradeauslauf, ähnlich beim Fahrrad oder Motorrad.
Ein Motorrad ist nicht spurtreu, wenn man Reifen mit einem flachen Profil, wie ein Autoreifen draufziehen würde, mit einer Ausnahme,... man fährt mit Beiwagen!

Der Bugradreifen muß eine runde Oberfläche aufweisen sonst wird es laut

Gruß Detlev

Verfasser:
Gerhard Angerbauer
Zeit:
31.12.2007 12:55:50
Liebe Moranfreunde
Wenn ich nicht so fürchterlich schreibfaul wäre, hätte ich mich zu diesem Thema schon etwas früher geäußert. Nachdem aber die Vermutungen über die Ursachen des Flatterns mehr und mehr seltenere Blüten tragen möchte ich mich nicht mehr zurückhalten.
Seit 15 Jahren bin ich selbst Moranebesitzer,erst eine 880 und seit 7 Jahren eine 885.Auch ich musste mich mit diesem Problem rumschlagen.Nach mehrmaligem Zerlegen des Bugfahrwerkskörpers und eine gewisse Erfahrung im Automobilbau habe ich das Problem sicher in den Griff bekommen.
Alle Moran`s haben dasselbe Bugfahrwerk,mit der Ausnahme der Dämpfung, mechanisch mit Feder bis Baujahr 1970 und später Öldämpfer.Beide Systeme sind störanfällig,insbesondere das mechanische.
Grundsätzlich ist einmal, dass die Morane kein selbständig gelenktes Bugrad hat. Ein kleiner Tritt auf die Bremse und das Bugrad schwenkt zur gebremsten Seite hin.Dies ist aber nur möglich, weil es einen extremen Nachlauf hat.(Wie bei einem Teewagen).Und dieses macht auch das Rad auf kleinste Unebenheiten und Erschütterungen so empfindlich.
Wenn ich mir in diesem Forum die Beiträge so durchlese, haben alle den wichtigsten Faktor nicht berücksichtigt nämlich das –FETT-
Zum Beispiel: Ein neu montierter Bugradreifen der


nicht sauber gewuchtet ist, und ein nicht geschmiertes Fahrwerk bringt das Rad zum Tanzen als wäre es ein Trüffelschwein.
Die Grundkonstruktion des Lenkkörpers stammt aus den 50iger Jahren ,da gab es noch keine selbstschmierenden Gelenke, es gab noch keine Kunststoffbüchsen oder Teflon. Der Achsschenkel ist aus Alu und dreht sich in zwei Kupferbüchsen im Lenkkopf. Ebenso bewegt sich der ganze Lenkkörper auf einer Stahlbüchse,die im Bugfahrwerksträger mit einem Schraubenbolzen, 32 NM angezogen wird. Es nützt also sehr wenig wenn jemand der Meinung ist man müsse doch diese Kronenmutter fester drehen ,um ein etwaiges Spiel zu beseitigen.Der Nachteil der hier entsteht ist dass sich die Stahlbüchse in den Bugfahrwerksträger drückt und selbiger beschädigt wird. Auch hier muss das Fett das Spiel ausgleichen. Der Bugradlenker hat an der Frontseite einen Schmiernippel und der hat nicht nur symbolischen Charakter. Jemand der diesen Lenker schon mal auseinander genommen hat ist aufgefallen das selbiger in der Mitte des Achsschenkels eine große Fettkammer hat. Diese ist eingegossen und sollte immer mit Schmiere gefüllt sein. Man täte auch mal gut daran diese dreckige Brühe nach 4o Jahren und länger ,zu entfernen mit Waschbenzin zu säubern und frisches auffüllen.
Alle beweglichen Teile des Bugrades in der senkrechten ebenso in der waagrechten haben sich auf einen Fettfilm zu bewegen, somit ist es auch spielfrei und hat den positiven Effekt zur Dämpfung. Das sehe ich als Axiom.
Aber damit ist das Flattern immer noch nicht beseitigt.
Hat jemand ernsthafte Probleme ,sollte wie folgt vorgegangen werden:

Flugzeug am Motorträger anheben bis das Bugrad bodenfrei nach unten durchhängt. Mit der rechten Hand an den Längslenker ,um, die waagrechte Schwenkachse bewegen mal rechts mal links. Anschließend mal senkrecht hoch, ist hier ein Spiel zu erkennen ist nicht so sehr beunruhigend Aber sollte hier das Spiel zu groß sein ,müssen die Dämpferbefestigungsbolzen nachgemessen werden. Ist um die waagrechte Schwenkachse ein Spiel zu beobachten,dann ist die Fahrwerksverkleidung zu demontieren ,und mit der Fettpresse so lange zu pumpen ,bis die Brühe an vier Stellen deutlich hervor tritt. Am Achsschenkel oben und unten, und an der Stahlbüchse der Aufhängung des Lenkers links und rechts. Erneut Spiel prüfen. Sollte jetzt immer noch Spiel zu erkennen sein ,ist das gesamte Bugfahrwerk zu demontieren. Bei geübten Schraubern ist dies in fünf Minuten geschehen.Dann sollte man das gesamte Bugfahrwerk in einem Schraubstock spannen.Stahlbüchse am besten herausdrücken,und an der Stelle mit weichen Unterlagen um Beschädigungen zu vermeiden festklemmen,aber so
dass man das Bugrad nach beiden Seiten schwenken kann. Und jetzt ist ein besonderes Augenmerk auf diese Feder bzw. Federenden die als Haltebügel in zwei kleine Rollen eingreifen zu richten. Meistens sind diese Messingrollen ausgeschlagen.Ist hier beim hin und herbewegen Spielraum ,ist dies die Hauptursache desFlatterns. Die Feder mit ihrer strengen Vorspannung sollte beide rollen so fest klemmen das der Achsschenkel 100 % Spielfrei anliegt. Ist das nicht der Fall,so beginnt hier eine Eigendynamik dieser Feder .und beginnt hier ihr Unwesen zu treiben. Die Federbügel schlagen in die Rollen und verstärken den Flattereffekt noch kräftiger.
Beide Rollen sind einfach zu entfernen,und durch neue zu ersetzen. Die Feder ist dann ebenfalls zu demontieren um nachzuarbeiten, gegebenenfalls zu erneuern.
Aber bitte VORSICHT bei der Demontage dieser hinterfotzigen Feder. sie hat schon so manche unerfahrene Pilotenhände verstümmelt. Bitte nur mit festen Arbeitshandschuhen ,einen spitzen Meißel zwischen beide Federenden schieben,.und nach vorne von den Rollen abziehen. Bei dieser Gelegenheit kann man dann den Sicherungsbolzen des Achsschenkels rausdrehen, und den Achsschenkel nach unten samt Bugrad rausziehen.um das Lenkergehäuse
zu reinigen,und mit Fett zu befüllen. Beim Zusammenbau ist beim Achsschenkelbolzen das Bolzenauge zu begutachten ,am besten den Bolzen einmal durchstecken und auf Spiel prüfen.Wenn das der Fall ist ,hat durch die Flatterei sich das Bolzenauge schon geweitet. Hier kann der Galvaniker weiterhelfen,der am Bolzen dann ein oder zwei Zehntel Millimeter Kupfer aufdampft. Ein Neuer Achsschenkel kostet das vielfache. Jeder Pilot der bei der Landung mit dem Geräusch überrascht wird –„rrrrrrrrrrrrrrrrrr“- und mit einem heftigen Schütteln verbunden ist,sollte sich vorstellen,dass bei jedem –„r“das Rad nach links geschlagen , und beim nächsten –„r“ nach rechts geschlagen wird, somit ist wohl den letzten Zweifelnden klar wie hoch die Belastung für das kleine Ding ist.
Würde ich jetzt an dieser Stelle weitermachen,so würde das den Rahmen des Beitragsforums sprengen.
Nach meinen Beobachtungen zu folgen,sind diese Probleme des gesamten Bugfahrwerks auf nachlässige Wartung zurückzuführen.
Moraneflugzeuge werden im allgemeinen sehr günstig angeboten, möglicherweise ist das auch ein Grund dafür mit der Wartung etwas zu sparen.
Vorsicht ist auch in Luftfahrttechnischen Betrieben angesagt, gibt man sein Luftfahrzeug in die Obhut von „Experten“ so sind manche der Meinung ,sie müssten sich besonders tief herablassen wenn sie sich mit einer Fettpresse an einer Morane zu schaffen machen, besonders dann nicht wenn das Flugzeug überhaupt nicht ihrem Schönheitsideal entspricht. Diese Erfahrung habe ich gemacht.
Abschließend möchte ich noch darauf hinweisen dass die Folgen eines flatternden Bugradfahrwerks fatal sein können. Gerissene Motorträger, komplett ausgeschlagene Fahrwerksteile, die man nur mehr am Schrotthaufen werfen muss, und zu guter letzt eine gebrochene Bugradachse mit einer Landung auf der Nase.
Ein uraltes Sprichwort –„Wer gut schmiert ,der gut fährt“
Und Sprichwörter haben etwas Wunderbares an sich, dass sie sich meistens bewahrheiten.

Gerhard Angerbauer

Verfasser:
Ralf G.Bücker
Zeit:
11.08.2008 10:41:34
Ich fliege eine MS 880 B,Bj. 1967 und habe auch manchmal dieses Bugradflattern nach der Landung, obwohl der Knüppel am Bauch ist.

Mein Rat: Wenn es flattert, Knüppel kurz loslassen. Dann ist sofort Ruhe. Funktioniert garantiert.

Happy landings, Ralf