Airworthiness Review

Verfasser:
Philip
Zeit:
14.05.2009 19:45:27
Hallo,

wollte hier nur mal kurz von meinen Erfahrungen berichten:

Im April stand bei unserer Rallye zum ersten Mal ein Airworthiness Review nach neuem Recht an. Dazu bin ich, wie die Jahre zuvor auch, zu meinem Part-145 Betrieb, der jetzt auch eine CAMO Zulassung besitzt, gegangen. Ich habe letztes Jahr für die Rallye ein Standard-Instandhaltungsprogramm vom LBA genehmigen lassen. Der Motor und der Propeller liegen noch innerhalb der TBO.
Nun stellte sich die Frage: Soll der Flieger in eine überwachte Umgebung? Dies würde bedeuten ich müsste mit der CAMO einen Vertrag machen, was natürlich mit Kosten verbunden ist. Eine einmalige Gebühr für die Aufnahme, sowie eine jährliche Gebühr. Der Vorteil wäre, der Flieger müsste nur noch alle 3 Jahre physisch geprüft werden.
Alternative (so wurde mir gesagt): Die CAMO könne mir nur eine Empfehlung auf Ausstellung eines ARC (Airworthiness Review Certificate) geben, mit der ich dann zum LBA gehen müsse und dort das ARC bekommen werde. Wie lange das dauern würde, konnte mir keiner sagen.
Darauf hin habe ich bei der Außenstelle das LBA in Frankfurt angerufen um dies zu erfragen. Der Mitarbeiter teilte mir mit, dass dieses Verfahren so nicht mehr durchgeführt wird. Die CAMO könne mir direkt das ARC ausstellen, wenn der Flieger nicht gewerblich betrieben wird (was bei mir zutreffend ist). Es wurden mir alle meine Fragen äußerst freundlich und ausführlich beantwortet. Ich habe dann mein ARC sofort von meiner Werft ausgestellt bekommen.
Was hat sich also geändert: Wenn der Flieger sich in keiner überwachten Umgebung befindet, muss er (wie bisher auch) jedes Jahr physisch geprüft werden. Ich bin für die Durchführung von LTA's und Kontrollen verantwortlich (wie bisher auch). Jedoch müssen die Kontrollen in einem Part-145 Betrieb durchgeführt werden. Außerdem haben sich die Namen der Papiere geändert und der Papierkram ist noch ein bisschen mehr geworden:)
Ich werde jedoch demnächst mein SIHP revidieren und ein individuelles IHP schreiben um beim Erreichen der TBO (vorallem der Kalenderzeit) keine Probleme zu bekommen. Wenn Interesse besteht, kann ich dies dann auch hier veröffentlichen.

Ich hoffe, ihr könnt hier etwas von meinen Erfahrungen profitieren!

Grüße

Philip

Verfasser:
radtke
Zeit:
14.05.2009 23:09:58
Hallo Philip und alle anderen.

Im April 2008 hatte ich ja schon bereits auf den Unterschied zwischen Standard-Instandhaltungsprogramm und individuellem Instandhaltungsprogramm hingewiesen.

In meinem Fall hatte ich auf Anraten meines LTB das Standard-Instandhaltungsprogramm zunächst zum DAEC mit Bitte um Weiterleitung an das LBA gechickt. Ich war sehr ünberrascht, dass sich der DAEC bei mir telefonisch meldete und mich fragte, ob das denn so gewollt sei. Nach umfassender Aufklärung stellte der DAEC für mich das individuelle IHP entsprechend meiner Ausrüstung zusammen. Das wurde dann so vom LBA abgehakt.

Jetzt habe ich einen Vertrag mit einem CAMO+ LTB geschlossen. Kosten: Euro 120,- pro Jahr. Der Vertrag hat ca. 30 Seiten, die auch notwendig sind um alle Rechte und Pflichten zu regeln.

Vieles läßt sich aber mit dem CAMO+ Betrieb regeln und abstimmen. Die jährliche 100h Kontrolle ist sowieso erforderlich, auch wenn nur 10h geflogen wurde. Also genau so, wie bisher.

Neu ist, dass der Termin für die jährliche Verlängerung jetzt auf das genaue Datum abgestellt ist und nicht mehr auf den Ablauf des Monats.

Wer nicht mit CAMO+ arbeiten will, kann seinen Flieger bereits 90 Tage vor Ablauf einem Prüfer vorstellen, der dann auch die Verlängerung ab Fälligkeitsdatum bescheinigt. Voraussetzung ist allerdings, dass der Halter den Nachweis über alle LTA`s, Reparaturen und Wartungen erbringt.

Ein gewisser Teil an Arbeiten kann vom Halter / Piloten nach Part M selbst ausgeführt werden. Dazu muss der Halter einen Befundbericht erstellen und eine Freigabe erteilen. Für alle anderen nicht zulässigen Arbeiten macht das z.B. ein LTB.

Noch zur Korrektur: der Camo+ Betrieb kann auf die jährliche Überprüfung verzichten, er muss es aber nicht.

Dennoch sollten wir uns allesamt mit den neuen Regelungen nicht verrückt machen lassen. Hier hilft nur ein Gespräch mit dem zuständigen Prüfer bzw. einer Camo+ Organisation. Ändern werden wir da sowieso nichts können.

Ich habe jedenfalls ein gutes Vertrauen zu meiner CAMO+ und sehe es durchaus positiv.

Udo