Infos zu Vorbehandlung von Aluminium und nachfolgenden Lacksystemen

Verfasser:
radtke
Zeit:
18.03.2010 18:57:33
Hallo Freunde

Wer von Euch hat Erfahrungen mit der Vorbehandlung von Aluminium bzw. hat Empfehlungen, wie Kratzer oder Schadstellen alter Lackflächen zu behandeln sind.

Ich denke hier in erster Linie an die durch Treibstoff blank gewordenen Flächen unter den Tragflächen.

Ferner die unter dem Rumpf in Längsrichtung verlaufenden Winkelleisten, an der die beiden Rumpfhäften zusammengenietet sind. Da stören beim Schleifen natürlich die Köpfe der Nieten. Oder ist dort mit Glasgranulat zu strahlen?

Welche Primer, Grundierungen, Lacksysteme haben sich bewährt und wo bekommt man die in Deutschland?

Gruß
Udo

Verfasser:
Michael
Zeit:
18.03.2010 20:15:51
Hallo Udo,

weisst Du aus welchem Material die Morane ist?
Wenn die aus beschichtetem (clad) Material ist, solltest Du mit dem Schleifen/Strahlen vorsichtig sein.

Gruss, Michael

Verfasser:
radtke
Zeit:
18.03.2010 21:01:06
Hallo Michael

Ich glaube nicht an beschichtetes Material, da das Flugzeug in 1971 gebaut wurde.

Das ganze Flugzeug ist absolut korrosionsfrei und wurde auf den Innenseiten werkseitig mit einer grünen Farbe überzogen, was auch immer das ist.

Jetzt hatte der LTB an den zuvor erwähnten Winkelleisten 2 Korrosionsstellen entdeckt, die beseitigt werden mußten.

Das ist eine "Sauarbeit". Erst werden die betroffenen Winkelprofile abgetrennt, die Niete ausgebohrt. Dann eine neue Stück eingesetzt. Darüber kommt ein weiteres Winkelprofil, das beiderseits bis über 2 weitere gesunde Niete reicht. Wir hatten 2 Stücke von je ca. 13cm, die herausgetrennt wurden. Arbeitsaufwand für die komplette Sanierung ca. 8h.

Sobals ich die Fotos bekommen habe, werde ich dazu mal einen Bericht anfertigen. Da bin ich sicher nicht der Einzige, der davon betroffen ist. Andere haben es vielleicht nur noch nichts bemerkt. Schaut Euch bitte mal die Winkel unter dem Rumpf von beiden Seiten genau an und zwar cm für cm.

Mir ist noch ein weiterer Fall einer MS885 bekannt, der schon einige Jahre zurück liegt. Ich frage mich nur, wodurch das entsteht.

Gruß
Udo

Verfasser:
Jens
Zeit:
24.03.2010 20:31:11
Hallo Udo,ich hole mir immer Aluprimer(graugrün) in der Lackierei,der enthält irgend eine Säure und bindet sich
dadurch mit dem Alu und schützt es auch.Das Zeug ist sehr dünn und verarbeitet sich leicht(gibts evt. auch in Sprühdose) ,anschließend eine2K Acryl Grundierung (Spühdose geht notfalls auch) für die Poren und zum glätten.Für kleine Poren Acryl Spachtel aus der Tube ohne Härter nehmen.Die Spachtelmassen mit Härter (EPOXiD)schleifen sich sehr schwer und man holt rund um die Schadstelle die Grundierung wieder runter.Anschließend Lack.Sandstrahlen ist immer blöd da zieht sich das Blech wie eine Banane ,wenn du Pech hast, besser einen Igel nehmen oder vorsichtig schleifen ,oder alte Farbe abbeizen .
Verfasser:
radtke
Zeit:
25.03.2010 08:18:38
Hallo

Ich zeige Euch hier mal die Fotos von der Korrosionsstelle. Es war also nur eine der Winkelkanten betroffen. Die Gegenseite ist absolut OK. Die weiße Mulde dahinter ist die Antenne vom ADF. Ich würde gern auf der gesamten Winkelkante die Farbe entfernen und den Korrosionsschutz ( Farbe )neu aufbauen. Schleifen geht nicht wegen der Niete. Also entweder mit Glasperlen strahlen oder abbeizen. Wenn abbeizen, dann Frage: "womit".

Das nächste Foto zeigt die herausgetrennte, von Korrposion betroffene Stelle. Wie man erkennt, ist weder am hinteren Winkel, noch links und rechts von der Stelle, irgend eine Korrosion zu sehen.

Es bewegt mich auch die Frage, wodurch kommt so eine lokale Korrosion zustande? Sicher ist das die Kante intensiv mit Öl, Treibstoff, Waschmitteln, den Dreck von unten und Auspuffgasen in Kontakt kommt.

Das Folgende Foto zeigt die nun mit 2 Winkelprofilen reparierte Stelle.

Jetzt noch die ausgebauten Fragmente des von Korrosion betroffenen Winkelprofils.

Das letzte Bild sieht gefährlicher aus als es ist. Bitte die Größenverhältnisse beachten. Die Breite der Winkelprofile beträgt ca. 15mm. Das obere Stück auf dem Bild ist ca. 7cm lang.

Verfasser:
Jens
Zeit:
25.03.2010 20:19:11
Abbeizer aus der Lackiererei besorgen,der ist extra stark im Baumarkt der tuts auch dauert vielleicht länger,ich denke mit einem kleinen Igel kann man das auch ganz gut bearbeiten wenn er nicht so hart ist,auf jeden Fall AluGrundierung verwenden.
Verfasser:
radtke
Zeit:
26.03.2010 10:12:33
Hallo Freunde

Ich fasse mal kurz meine bisherigen Recherchen zusammen. Man muss möglichst viele Spezies befragen und dann filtern.

Zur Ursache solcher Korrosionsherde wird genannt: Zunächst Beschädigung einer Lackstelle wodurch das Aluminium blank gelegt wird. Dann die Einwirkung von Feuchtigkeit, die an der Schadstelle den Lack unterwandert. Das Ganze bekommt dann die Abgasdämpfe und es bilden sich Säuren, die den Fraß einleiten.

Nun zur Entfernung das alten Lacks im Bereich der Winkelleisten unter dem Rumpf. Auf keinen Fall Beize verwenden. Die dringt in die Spalten zwischen den Winkeln und zwischen Winkel und Rumpf ein und kann dort nicht mehr restlos herausgespült bzw. neutralisiert werden.

Strahlen mit Sand, auf keinen Fall. Mit Glasperlen ja, aber dann sehr feines Material und vorsichtiger Beschuß. Besser ist Kunststoffgranulat, da das getroffene Aluminium keine größere Verdichtung an der Oberfläche erfährt. Absolut ideal sei das Strahlen mit Trockeneis. Es bleiben keine Rückstände, da das Trockeneis verdampft. Inzwischen habe ich hier in Bielefeld eine Firma gefunden, die so etwas macht. Die haben ein Fahrzeug, das vor Ort kommt und die Behandlung durchführt. Es wurde mir ein Stundensatz incl. Trockeneisverbrauch von Euro 105,- zuzügl. MWSt. genannt.

Zum Korrosionsschutz. Ideal ist 2K Epoxyprimer 37035A grün von Akzo Nobel Aerospace Coating, der gespritzt werden sollte, aber auch gestrichen werden kann. Den verwendet z.B. Röder Präzision in Egelsbach.
Ein Datenblatt mit Anwendungsrichtlinien und Vorbehandlung von AkzoNobel Aerospace Coating findet ihr unter http://www.anac.com/products/DataSheets/20-16_deu_ger.pdf .

Gruß
Udo

Verfasser:
Christian Hasenoehrl
Zeit:
01.04.2010 09:38:30
Hallo Udo,
der erste Schritt den du bei einer Korosionschutzbehandlung von Luftfahrt-ALu machen solltest ist die Oberflaeche mit "ALODINE" zu behandeln.Das hintelaesst eine "goldschimmernde" Oberflaeche die dannach mit einem Epoxyprimer(Kein KFZ-Zeug!)grundiert werden muss. Alodine bewirkt eine chemische Reinigung und Versiegelung der Oberflaeche. Bei ALCAD ist diese Vorbehandlung nicht notwendig!

Christian

Verfasser:
radtke
Zeit:
01.04.2010 17:20:05
Hallo Freunde

Nach intensiver Recherche und Befragung von Fachleuten, habe ich nunmehr alle Ergebnisse auf einer eigenen Seite in der Technik zusammengefaßt.

Hierbei war die Firma Röder in Egelsbach sehr kooperativ, während sich ein allseits bekannter Flugzeuglackierer aus Offenburg in jeder Hinsicht sperrte. Entweder bewußt oder er hatte einen schlechten Tag.

Die größte Hürde ist aus meiner Sicht die Beschaffung kleinerer Mengen für unsere Anwendung.

weitere Details

Verfasser:
Michael
Zeit:
01.04.2010 19:12:36
Hallo Udo,

immer wieder interessant, Deine Beschreibungen.

viele Grüsse, Michael

Verfasser:
Christian Hasenöhrl
Zeit:
02.04.2010 09:02:34
Noch ein Tip zum entfernen von Korrosion:
Wir benutzen eine spezielle rotierende Bürste von 3M. Diese Produktlinie nennt sich 3M Roloc Bristle Disc.Die gibt es in 3 unterschiedlichen Härten und sind entweder als Scheiben oder Rundbürsten zu bekommen.Der Vorteil ist dass nur Korrosion entfernt wird und nicht "gesundes Blech". Das beste ist zu versuchen die Korrosion gar nicht erst aufkommen zu lassen. Regelmäßige und gründliche Reinigung mit geeigneten Reinigern (LFZ Reiniger, keine KFZ Reiniger!)vor allem auf der Unterseite der Maschine.Beim Einbau von Antennen oder bei deren Austausch immer geeignetes Dichtmittel (PROSEAL 8802 oder änl.)verwenden.Beim Montieren von Stahlbauteilen auf Alu immer eine Trennschicht auftragen! Es gilt immer: Korrosion braucht Anode,Kathode und Elektrolyt.
Keep them flying!

Christian

Verfasser:
radtke
Zeit:
11.04.2010 22:32:05
Hallo Freunde

Bin jetzt im Besitz sowohl von Alodine als auch vom AkzoNobel 2K-Epoxyprimer, den u.a. Airbus verwendet. Der Trockeneisstrahler kann jetzt anrücken.

Auf der Aero habe ich noch viele wertvolle Hinweise aus erster Hand, so von AkzoNobel, bekommen können, die ich in den nächsten Tagen noch auf der bereits angefangenen Technikseite zu diesem Themenkomplex ergänzen werde.

Es ist also nicht damit getan, irgend einen Entlacker aufzupinsel, die Farbe abzuziehen und mit der Neulackierung zu beginnen.

Gruß
Udo